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Wer die Polizei zum CSD einlädt,lädt ganz aktiv Teile der eigenen Community aus!

  • Beitrags-Kategorie:Allgemein

Die Gründe hierfür, werden wir im Folgenden erläutern:

1. Ein jahrelanger, ignorierter Konflikt

Die Diskussionen um die Präsenz von Parteien und Polizei auf dem CSD und Straßenfest sind nicht neu und begleiten die unterschiedlichen Orga-Strukturen seit Jahren. Obwohl es hierzu in den letzten Jahren zahlreiche Debatten gab und Materialien zur selbstreflexiven Auseinandersetzung bereitgestellt wurden, liefen die Diskussionen immer wieder ins Leere. Weil kritische Stimmen übertönt, Entscheidungen nicht konsensbasiert getroffen und die Kritik nicht aufgearbeitet wurde, haben sich immer mehr kritische Stimmen aus der Organisation des CSD Göttingen zurückgezogen.

2. Ausschluss statt Schutzraum

Der CSD muss ein sicherer Rückzugsort und ein Entlastungsangebot von und für die queere Community sein – besonders für diejenigen, die von Mehrfachmarginalisierung betroffen sind, wie Trans*, Inter* und Queers of Color. Die Präsenz von Polizist*innen an einem eigenen Polizeistand erzeugt bei vielen Menschen in der Community kein Gefühl von Sicherheit, sondern verstärkt Ängste. Das Problem dabei: Wer sich durch die Polizeipräsenz verunsichert oder bedroht fühlt, bleibt dem Fest von vornherein fern. Diese Menschen sind dann einfach nicht da und ihre Stimmen fehlen, ohne dass es der Mehrheit auf dem Platz überhaupt auffällt.

3. Ein CSD ist keine Party und erst recht kein PR-Event

Die Geburtsstunde des CSD 1969 war ein Aufstand von queeren Menschen gegen systematische und willkürliche Polizeigewalt. Viele davon waren auf mehreren Ebenen von Diskriminierung betroffen, etwa trans* Frauen, Butches, Sexarbeiter*innen. Viele von ihnen waren People of Color (PoC). Bis heute sind queere Menschen, und vor allem PoC, überproportional häufig von Diskriminierung und Polizeigewalt betroffen. Die Polizei ist das ausführende Staatsorgan und kein politisch neutraler Teil queerer Communities.

4. Fragwürdige Äußerungen nach dem Angriff beim CSD 2025

Die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei nach dem queerfeindlichen Angriff auf CSD-Teilnehmende am Albaniplatz im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie tief die Kluft zwischen polizeilicher Selbstdarstellung und der Realität ist: Die Göttinger Polizei hat in ihren Pressemitteilungen einen Bezug der Tat zum CSD abgestritten und ein queerfeindliches Motiv zunächst überhaupt nicht in Betracht gezogen. Dieser Umgang zeugt davon, das hier massive Reflexions- und Sensibilisierungsbedarfe bestehen und hat nicht dazu beigetragen, Vertrauen in die polizeiliche Arbeit aufzubauen. Das Signal, was hier an andere Betroffene von Hasskriminalität gesendet wurde, ist in Anbetracht immer weiter steigender Zahlen solcher Fälle verheerend.

Unsere Forderung an das CSD-Orga-Team:

Keine Polizei-Informationsstände mehr auf dem CSD Göttingen!

Wir fordern das Orga-Team des CSD Göttingen nachdrücklich auf, von Einladung der Polizei zum Straßenfest für die Zukunft abzusehen. Nur wenn der CSD ein unabhängiger und kritischer Raum bleibt, kann er ein Raum für Solidarität, Vielfalt und Selbstbestimmung sein.

Wer die Polizei zum CSD einlädt,

lädt ganz aktiv Teile der eigenen Community aus!

Hinweis:

Mit diesem Statement kritisieren wir ausdrücklich nicht Stände, Gruppen oder Einzelpersonen für die Teilnahme am Straßenfest. Ob aufgrund kapitalistischen Drucks, aus Verantwortungsgefühl gegenüber der Community, als kritische Präsenz oder um sich den Tag nicht nehmen zu lassen, Gründe für eine Teilnahme gibt es viele. Gleichzeitig muss auch Abwesenheit als legitimes Mittel des Selbstschutzes ernst genommen und respektiert werden. Sich bewusst gegen eine Teilnahme zu entscheiden, stellt ebenfalls eine Form der Kritik dar und sollte als solche anerkannt werden.